Wie Pflanzen, Rituale und Rückblicke uns helfen, Übergänge bewusst zu gehen
Zwischen den Jahren entsteht oft der Wunsch, zurückzublicken.
Nicht um Bilanz zu ziehen, sondern um wahrzunehmen, was dieses Jahr wirklich enthalten hat.
Übergänge verlangen nach Aufmerksamkeit. Das wissen wir nicht nur im Kopf. Der Körper weiß es längst.
In vielen alten Kulturen wurden Übergänge nicht „nebenbei“ vollzogen. Sie wurden markiert: mit Handlungen, mit Pflanzen, mit klaren Gesten. Eine der schlichtesten und zugleich wirksamsten davon ist das Waschen einer Tür.
Kein großes Ritual. Aber ein tief verwurzeltes.
Die Tür als Schwelle – warum Übergänge uns berühren
Türen sind besondere Orte.
Ganz praktisch: Hier wird gewechselt. Drinnen – draußen. Vorher – nachher. Schutz – Öffnung.
In der europäischen Volkskunde galten Türrahmen und Schwellen als sensible Zonen. Nicht aus Aberglauben, sondern aus Erfahrung. Übergänge sind Momente erhöhter Wahrnehmung. Das Nervensystem reagiert auf Wechsel, auf Innehalten, auf das bewusste Hindurchgehen.
Heute würden wir sagen:
Das Gehirn liebt Markierungen. Es braucht Anfang und Ende, um zu sortieren, abzuschließen und neu auszurichten.
Rituale setzen genau dort an.
Salbei und Rosmarin – Pflanzen für Klärung und Neubeginn
In der traditionellen Pflanzenkunde wurden Türen nicht mit irgendeinem Wasser gereinigt. Man nutzte Pflanzen, die für Übergänge, Sammlung und Erneuerung standen.
Salbei – Klarheit und Loslassen
Salbei war die Pflanze der Reinigung. Er wurde eingesetzt nach Krankheit, nach Streit, nach schweren Zeiten. Nicht aggressiv, sondern klärend. Sein Duft signalisiert: Etwas darf gehen. Der Raum darf wieder atmen.
Salbei hilft, Altes zu verabschieden, ohne es abzuwerten.
Rosmarin – Präsenz und Lebenskraft
Rosmarin steht für Erinnerung, Wachheit und Neubeginn. In vielen Regionen Europas wurde er bei Einzügen, Hochzeiten und neuen Lebensabschnitten verwendet.
Er sammelt.
Er richtet auf. Er bringt uns zurück in den Körper.
Salbei und Rosmarin ergänzen sich:
Der eine klärt, der andere stärkt.
Salz und Wasser – eine stille Gemeinsamkeit vieler Kulturen
Auch jenseits Europas finden wir ähnliche Praktiken.
In Japan gehört Ōsōji, die große Jahresreinigung, fest zum Übergang ins neue Jahr. Türen und Eingänge werden mit Wasser und Salz gereinigt. Nicht symbolisch, sondern ganz konkret: um Ordnung zu schaffen, um abzuschließen, um vorbereitet zu sein.
In Korea sind Wasser und achtsames Reinigen von Schwellen ebenfalls Teil des häuslichen Alltags.
Keine Magie.
Sondern Kultur.
Eine einfache Praxis: Tür waschen mit Salbei oder Rosmarin
Du brauchst:
eine Schale warmes Wasser
eine Prise Salz
einen Salbei- oder Rosmarinaufguss oder 2–3 Tropfen ätherisches Öl
ein Tuch
Während du das Wasser vorbereitest, wähle eine Intention.
Nicht viele. Eine reicht.
Zum Beispiel: Klarheit. Schutz. Ruhe. Neubeginn.
Das Waschen
Wische den Türrahmen langsam, von oben nach unten.
Nicht nebenbei. Nicht hastig.
Es geht nicht darum, Schmutz zu entfernen, sondern Bewusstsein hineinzubringen.
Die Hände wissen, was zu tun ist.
Die Tür als Übergang
Halte kurz inne.
Tritt dann bewusst durch die Tür – so, als würdest du etwas mitnehmen.
Manche nennen es Portal. Andere nennen es einfach: einen klaren Schritt.
Der innere Übergang – dein Jahr bewusst betrachten
So wie Räume Übergänge brauchen, braucht auch das Erlebte einen Rahmen.
Diese einfache Struktur hilft dir, dein Jahr ehrlich und ruhig zu betrachten – ohne Bewertung, ohne Druck.
So wie wir Türen waschen, um Übergänge im Raum sichtbar zu machen, brauchen auch unsere inneren Wege eine Schwelle.
Das Jahr hinterlässt Spuren, nicht nur in Räumen, sondern auch in uns.
Gedanken, Begegnungen, Entscheidungen lagern sich ab wie Staub, manchmal unbemerkt.
Nach dem äußeren Reinigen darf der Blick nach innen gehen.
Nicht um aufzuräumen, sondern um wahrzunehmen, was da ist.
1. Lege dein Jahr vor dich
Schreibe die Monate von Januar bis Dezember untereinander.
Lass Raum dazwischen.
2. Vier Durchgänge – vier Fragen
WINS – Erfolge
Was war gut? Wofür bist du dankbar?
Ein Punkt pro Monat genügt.
CRUSHES – innere Siege
Worauf bist du stolz?
Wo bist du drangeblieben, auch wenn es schwer war?
MIRACLES – Wunder
Was ist geschehen, ohne dass du es planen konntest?
Begegnungen, Wendungen, kleine Fügungen.
HEARTBREAK – Herzschmerz
Was war schwer?
Nicht um es zu lösen, sondern um es anzuerkennen.
Diese Übung ist inspiriert von Lauren, hier ist ihr kurzes Video darüber.
Ein leiser Abschluss
Dieses Ritual – innen wie außen – verspricht keine Wunder.
Aber es kann etwas Entscheidendes tun:
Es markiert Übergänge.
Es verbindet Körper, Raum und Erinnerung.
Es hilft, bewusst weiterzugehen.
Vielleicht ist das der eigentliche Segen:
Nicht, dass sich alles ändert, sondern dass wir anders hindurchgehen.
Bildquelle: Pinterrestfund
